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© David N. Koch

Aufräumen mit gängigen Vorurteilen:
Deutsch als Fremdsprache kann JEDER unterrichten? –
Zwei Stellungnahmen:

“Ich kann behaupten, dass ich bis heute nicht weiß, was z.B. die n-Deklination ist, geschweige denn, wo sie eingesetzt wird. Insofern kann man sogar behaupten, dass selbst studierte Linguisten, die in den letzten acht Jahren an einem Institut für deutsche Sprachwissenschaft gearbeitet haben, nicht unbesehen auf Integrationskursteilnehmer losgelassen werden sollten. Doch selbst wenn ich die n-Deklination kennen würde, würde mich das nur dann zu einem geeigneten Lehrer machen, wenn ich den Schülern verständlich und anschaulich vermitteln könnte, was das ist, und wie man es richtig anwendet.

Und das ist der Punkt: Wenn man einem Erwachsenen eine neue Sprache beibringen will, reicht es weder, ihm richtiges Deutsch als Input zu geben, noch ihm alle Regeln und Ausnahmen der “Awful German Language” vorzubeten: Der Lernerfolg hängt von der didaktischen Fähigkeit des Lehrers bei der Aufbereitung des Materials und der Vermittlung des Stoffes ab, und diese Fähigkeiten werden nun einmal nicht in philologischen oder linguistischen Studiengängen vermittelt. Wer also glaubt, dass man Spracherwerb über Referate, Aufsätze und Powerpoint-Präsentationen vermitteln kann, der kann guten Gewissens Germanisten und Linguisten als Lehrer einstellen – und Yetis, denn wer das glaubt, glaubt vermutlich auch an Yetis.”
Philipp Spang, Linguist an der Universität Marburg

“Allerdings finde ich unsere Unfähigkeit, die Deklinationen, die wir kennen, didaktisch und methodisch sauber zu vermitteln, ein ebenso wichtiges Argument. Inhalte wie Methodik sind erlernbar. Für Germanisten vielleicht schneller als für Botaniker. Ohne entsprechende Schulung sind wir jedoch so fehl am Platz wie der Initiator von Körperwelten im OP.”
Anna Schneider, Germanistin aus Köln

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