Am Samstag, den 13.04.2019 wird die AfD in Köln einen “Bürgerdialog” veranstalten – in Räumlichkeiten der VHS Köln. Dagegen protestieren Lehrkräfte der VHS Köln einen einem offenen Brief.

Auch in anderen Städten versucht die AfD, die Volkshochschulen als Plattform zu nutzen, und löst eine Debatte über die politische Positionierung öffentlicher Räume aus. Beispiele dafür finden sich etwa in Bonn, Bergisch-Gladbach, Düsseldorf und Bad Segeberg.

Im Folgenden veröffentlichen wir die Erklärung der Kolleginnen und Kollegen der VHS Köln im Wortlaut.

Erklärung von Kolleginnen und Kollegen der VHS Köln gegen die Vergabe des „VHS-Forums“ an die AfD

Wie wir erfahren haben, hat die AfD-Landtagsfraktion das VHS-Forum am 13. April zu einer „Podiumsdiskussion“ angemietet. Die Partei versucht auf diese Weise, einen Ort zu vereinnahmen, der der überparteilichen und zivilgesellschaftlichen Bildung dient. Die VHS ist vor bald 100 Jahren in der ersten Demokratie dieses Landes gegründet worden, um allen Bildung zu ermöglichen. Diesem demokratischen Gedanken wohnt ein Gleichheitsanspruch inne: Jeder Mensch kann lernen, jede und jeder hat aufgrund seiner Würde als Mensch ein Recht auf persönliche Entfaltung und gesellschaftliche Partizipation.

Als Dozierende der Volkshochschule arbeiten wir jeden Tag für das Gelingen von Integration, für eine demokratische und weltoffene Gesellschaft. Mit diesem Verständnis ist es nicht vereinbar, einer Partei ein Forum zu bieten, deren Ziele vor allem darin bestehen, Bürgerinnen und Bürger zu desinformieren und Stimmung gegen Mitglieder der Stadtgesellschaft zu machen, die dem in Teilen „völkischen“ Selbstverständnis der AfD nicht entsprechen. Es sind Organisationen wie die AfD, die mit der Verharmlosung des NS-Regimes und der Hetze gegen Flüchtlinge und Zugewanderte die Grundlage dafür gelegt haben, dass in Deutschland Asylunterkünfte angezündet werden.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieser Erklärung verwahren sich ausdrücklich dagegen, der AfD Räume der VHS zu überlassen. Wer sich hier um das Erlernen der Sprache zur besseren Integration bemüht, der darf doch wohl erwarten, nicht an demselben Ort zur Zielscheibe von Ausgrenzung und Diffamierung zu werden. Die AfD versteht es, sich als Hort besorgter Bürger darzustellen. Jedoch zeigt ihre parlamentarische Arbeit, sei es im Kölner Rat oder im Bundestag, dass es ihr daran gelegen ist, diese Ängste erst zu erzeugen: Deutschlehrkräfte sind nicht selten das Ziel parlamentarischer Anfragen seitens der AfD, die darauf aus sind, die Kursteilnehmer und die Träger der Integrationskurse in ein zweifelhaftes Licht zu rücken. Wer an die Volkshochschule kommt, um Deutsch zu lernen, dem wollen wir signalisieren: Du bist hier willkommen, wie jeder andere auch, Menschenverachtung hat hier keinen Platz.

Aus den genannten Gründen fordern wir die Oberbürgermeisterin und die Verantwortlichen in der VHS dazu auf, die Vergabe des Forums davon abhängig zu machen, dass der Veranstalter dem Bildungsauftrag dieser Einrichtung gerecht wird und keine Räume an Organisationen wie die AfD zu vergeben.

Köln, den 12.04.2019

Hakhamanesh Bahadorifar • Angela Bankert (GEW Köln) • Irma Barrales de Fellmann • Constanze Bast-Kessler • Thomas Baumann • Thomas Biel • Katharina Busch • Selma Calistirmak • Arzu Carkin • Claudia Doré • Hülya Engin • Peter Förster • Marina Gallestegui • Axel Gilles •Beatriz Gottschalk • Roderich Grauer • Helga Haug • Ilona Ivancevic • Dr. Hasan Kaygisiz • Angelika Kirchhof • Inge Kreutz • Barbara Lange-Schneider • Emilio Ludwig • Hortensia Malfitani • Klaus F. Mautsch • Silvia Merk • Liliana de Miguel • Daniela Moretti-Stein • Annegret Nitzling • Sabine Paas • Anne-Marie Pfeffer • Sophie Schneider-Lohmar • Holger Schulz • Brigitte Schumacher • Nagib Sermelwall • Barbara Sirges • Dagmar Sonnak • Jürgen Sproß • Rita Steinforth • Lioba Waleczek • Johannes Weber • Sabine Wolf und 12 weitere Unterzeichnerinnen und Unterzeichner

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