Bundeskonferenz der Sprachlehrbeauftragten

Am 27. Oktbkslober 2012 haben sich 37 Dozent*innen auf einem ersten bundesweiten Treffen in Berlin im Haus der DGB versammelt, um endlich eine Veränderung der Situation der Lehrbeauftragten, die an deutschen Hochschulen Fremdsprachen unterrichten, herbeizuführen. Sie haben als ersten Schritt dazu die Bundeskonferenz der Sprachlehrbeauftragten an deutschen Hochschulen (BKSL) ins Leben gerufen.

Die Hochschulen dieses Landes schmücken sich gern mit einem breit gefächerten Angebot an Sprachen, das für deutsche wie internationale Studierende bei der Wahl des Studienortes entscheidend sein kann. An kulturpolitischen Bekundungen, die Mehrsprachigkeit in Europa zu fördern und eine institutionsspezifische Sprachenpolitik für jede Hochschule festzulegen, mangelt es nicht. Dies steht allerdings im krassen Gegensatz zur finanziellen und personellen Unterversorgung der Sprachenzentren:

Das Lehrangebot wird von festangestelltem Personal und von Lehrbeauftragten abgedeckt. Der Teil, den die Lehrbeauftragten dabei übernehmen, liegt zwischen 40 und 90 Prozent. In der Lehre führen die Lehrbeauftragten die gleichen Aufgaben aus wie die hauptberuflichen Kolleg*innen. Aber Lehrbeauftragte werden als Lehrkräfte zweiter Klasse behandelt: Lehrbeauftragte bekommen nur einen Bruchteil von dem, was entsprechende hauptberufliche Lehrkräftebekommen und haben deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen.

Festangestellte werden tariflich vergütet, in der Regel nach TV-L E13, wobei aber auch immer noch ein Unterschied zwischen Ost und West sowie Universitäten und Fachhochschulen gemacht wird. Doch viel gravierender ist der finanzielle Unterschied zwischen Festangestellten und Lehrbeauftragten. Die Honorare von Lehrbeauftragten schwanken zwischen 17 und 30 Euro, liegen im Schnitt aber bei 25 Euro pro Lehrveranstaltungsstunde (LVS). In Dresden beispielsweise beträgt die Vergütung 17 Euro, in Dortmund 30, in Saarbrücken 21. Die Hochschulgesetze sowie die Lehrauftragsrichtlinien regeln für jedes Bundesland und jede Hochschule, wie viel pro Lehrveranstaltungsstunde gezahlt werden darf. Im Honorar inbegriffen sind Vor- und Nachbereitungen, die gesamte Kursadministration und alle Korrekturen, die im Semester anfallen. Die Erstellung, Abnahme und Korrektur von Prüfungen sowie die zeitintensive Betreuung von online-Lernplattformen werden an den meisten Einrichtungen nicht vergütet, sondern sind mit dem Stundenhonorar bereits abgegolten. Die Hochschulen sind darüber hinaus sehr bemüht, der Zahlung von Sozialleistungen für Lehrbeauftragte nicht nachkommen zu müssen. Um das Risiko von Klagen auf ein Angestelltenverhältnis zu verringern, ist das Lehrdeputat der Lehrbeauftragten an jeder Hochschule bzw. in jedem Bundesland auf die Hälfte des Deputats der Festangestellten begrenzt. Was man mit 8 Lehrveranstaltungsstunden pro Woche an Universitäten und 12 Lehrveranstaltungsstunden an Fachhochschulen als LehrbeauftragteR pro Semester verdienen kann, ist schnell ausgerechnet. Um von ihrer Arbeit leben zu können, müssen Lehrbeauftragte an verschiedenen Einrichtungen unterrichten. Da sie als FreiberuflerInnen gelten, müssen sie für Kranken- und Rentenversicherung nicht nur den Arbeitnehmer-, sondern auch den Arbeitgeberanteil bezahlen. Honorarfortzahlungen im Krankheitsfall gibt es nicht. Obgleich es als prestigeträchtig gilt, als LehrbeauftragteR an einer Hochschule zu arbeiten, kann von einem begehrenswerten Einkommen nicht die Rede sein.

Die meisten Lehrbeauftragten sind noch nicht einmal Mitglieder der Hochschulen und besitzen damit kein  Mitbestimmungsrecht.

Die BSKL will auf Bundes- und Landesebene sowie auf lokaler Ebene für die Interessen der Lehrbeauftragten eintreten. Zusammenfassend kann man sagen, dass es um die Beendigung der gängigen Praxis geht, Lehraufträge für Daueraufgaben zu vergeben und zudem um die Verbesserung der Lehre in den Spracheinrichtungen, der Bezahlung sowie der Arbeitsbedingungen der Sprachlehrbeauftragten. Die eigentliche Funktion der Lehraufträge, externe Expertise an die Hochschule einzubringen, um das Lehrangebot zu vervollständigen, wird an nahezu jeder Hochschule unterlaufen. Denn die Lehrbeauftragten übernehmen Daueraufgaben, viele von ihnen schon seit Jahrzehnten. Auf zentraler Ebene fordert die BKSL, dass die Sprachenzentren und vergleichbare Einrichtungen über eine angemessene Personalausstattung verfügen und dass dort Stellen eingerichtet werden, wo Daueraufgaben übernommen werden. Die Lehrbeauftragten, die weiterhin eingesetzt werden, müssen in Anlehnung an die Stundensätze für TV-L E13 vergütet werden. Auf lokaler Ebene wird sich die BKSL dafür einsetzen, dass die Honorarhöhe und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Zudem soll erreicht werden, dass sich unter den Lehrbeauftragten sowie den hauptamtlichen KollegInnen das Bewusstsein verstärkt, dass das gegenwärtige Zweiklassensystem für alle von Nachteil ist. Bei den EntscheidungsträgerInnen in der Politik muss dringend bekannt gemacht werden, wer die Lehrbeauftragten sind und was sie machen. Die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, den politisch engagierten Gruppen und den Studierenden soll weitergeführt werden. Ein regelmäßiger Austausch mit dem Arbeitskreis der Sprachenzentren, Sprachlehrinstitute und Fremdspracheninstitute (AKS) wird gesucht.