Beispiel: Hochschulen

Stuehle_DeathtoStock_Desk10Freie Lehrkräfte an Universitäten und Hochschulen werden als „Lehrbeauftragte“ bezeichnet. Obgleich es als prestigeträchtig gilt, als LehrbeauftragteR an einer Hochschule zu arbeiten, kann von einem begehrenswerten Einkommen nicht die Rede sein. Lehrbeauftragte führen meist die gleichen Aufgaben aus wie ihre fest angestellten Kolleg*innen, bekommen jedoch nur einen Bruchteil des entsprechenden Gehalts zu deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen.

Die Bedeutung freier Lehrbeauftragter an Hochschulen

Die Hochschulen dieses Landes schmücken sich gern mit einem breit gefächerten Angebot an Sprachen, das für deutsche wie internationale Studierende bei der Wahl des Studienortes entscheidend sein kann. An kulturpolitischen Bekundungen, die Mehrsprachigkeit in Europa zu fördern und eine institutionsspezifische Sprachenpolitik für jede Hochschule festzulegen, mangelt es nicht. Dies steht allerdings im krassen Gegensatz zur finanziellen und personellen Unterversorgung der universitären Sprachenzentren: Nur ein Teil des Lehrangebots wird von festangestelltem Personal übernommen. Zwischen 40 und 90 Prozent der Kurse an Sprachlehrzentren werden von Honorarlehrkräften (Lehrbeauftragte) unterrichtet.

Bezahlung

Festangestellte werden tariflich vergütet, in der Regel nach TV-L E13, wobei aber auch immer noch ein Unterschied zwischen Ost und West sowie Universitäten und Fachhochschulen gemacht wird. Doch viel gravierender ist der finanzielle Unterschied zwischen Festangestellten und Lehrbeauftragten. Die Hochschulgesetze sowie die Lehrauftragsrichtlinien regeln für jedes Bundesland und jede Hochschule, wie viel pro Lehrveranstaltungsstunde (LVS) gezahlt werden darf. Die Honorare von Lehrbeauftragten schwanken zwischen 17 und 30 Euro, liegen im Schnitt aber bei 25 Euro pro Lehrveranstaltungsstunde. In Dresden beispielsweise beträgt die Vergütung 17 Euro, in Dortmund 30, in Saarbrücken 21.
Im Honorar inbegriffen sind nicht nur die Präsenzeit im Kurs selbst, sondern auch Vor- und Nachbereitungen, die gesamte Kursadministration und alle Korrekturen, die im Semester anfallen. Die Erstellung, Abnahme und Korrektur von Prüfungen sowie die zeitintensive Betreuung von online-Lernplattformen werden an den meisten Einrichtungen nicht gesondert vergütet, sondern sind mit dem Stundenhonorar bereits abgegolten.
Wie alle Selbstständigen müssen die Lehrbeauftragten von diesem Honorar nicht nur den Arbeitnehmer-, sondern auch den Arbeitgeberanteil in der Kranken- und Rentenversicherung bezahlen. Da es keine Lohnfortzahlung für Krankheit oder Ferienzeiten gibt, müssen sie zudem ständig Rücklagen bilden.

Begrenzung der Deputatstunden

Um das Risiko von Klagen auf ein Angestelltenverhältnis zu verringern, ist das Lehrdeputat der Lehrbeauftragten an jeder Hochschule bzw. in jedem Bundesland auf die Hälfte des Deputats der Festangestellten begrenzt. An Universitäten dürfen maximal 8 Lehrveranstaltungsstunden pro Woche unterrichtet werden, an Fachhochschulen 12 Lehrveranstaltungsstunden. Das ist also so, als ob der Arbeitgeber ausschließlich 50%-Kräfte in Anspruch nimmt (und diese dann auch noch schlecht bezahlt). Um von ihrer Arbeit leben zu können, müssen Lehrbeauftragte daher an verschiedenen Einrichtungen unterrichten.

Mitbestimmung

Die meisten Lehrbeauftragten gelten nicht als Mitglieder der Hochschulen und besitzen damit kein Mitbestimmungsrecht.


Organisationen

Partner im Kreidefresser-Netzwerk für den Bereich Hochschule:

Bundeskonferenz der Sprachlehrbeauftragten

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