Streik Musik Bayern

© Stephan Rumpf

Kreidefresser erklärt sich solidarisch mit den streikenden Lehrbeauftragten für Musik in Bayern. Sie benötigen dringend unsere Unterstützung für ihren Aufruf.

120 Lehrbeauftragte für Musik spielen vor der Bayerischen Staatskanzlei die Bayernhymne – in Moll. Sie sind aus ganz Bayern angereist, demonstrieren, streiken. Für Lehrbeauftragte keine Selbstverständlichkeit, denn streng genommen genießen sie kein Streikrecht. Trotzdem hat die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (BKLM) dazu aufgerufen, vom 13. – 24. November der Arbeit fernzubleiben, ein deutliches Zeichen dafür, wie dramatisch die Situation ist.

Nicht nur haben Lehrbeauftragte für Musik jahrzehntelang unter prekären Bedingungen an den Hochschulen und Universitäten Musikunterricht erteilt, nun sollen ihnen die Unterrichtsstunden gekürzt werden – auf das gesetzlich vorgeschriebene Maß von ca. 10 Wochenstunden, und das auch nur für die Dauer eines Semesters. Denn nach Auffassung des Gesetzes sollen die Lehraufträge für MusikerInnen nur einen Nebenjob darstellen. „Das machen die als Zubrot, zum Spaß“ – diese Grundannahme treibt in vielen Bereichen der Weiterbildung / Erwachsenenbildung ihr Unwesen, beispielsweise an den Volkshochschulen. Bernd Redmann dagegen, der Präsident der Musikhochschule München, stellt im Gespräch mit BR Klassik drei Gruppen von Musiklehrbeauftragten fest: „Die erste bestehe aus jungen Lehrenden, die den Lehrauftrag nutzten, um Erfahrungen zu sammeln und sich eventuell auf eine feste Stelle zu bewerben. Zur zweiten Gruppe gehörten diejenigen, die woanders noch eine hauptamtliche Stelle hätten – beispielsweise in einem Orchester oder an einer Musikschule. Das entspreche genau den Vorstellungen der Politik. Diese verstehe den Lehrauftrag als freiberufliche Tätigkeit. Wirklich schwierig sei es für die dritte Gruppe: diejenigen, die ihre Existenz auf die Lehraufträge aufbauen. Hier würden in der Tat „die prekären Arbeitsbedingungen durchschlagen“, so Redmann.

Zur finanziellen Unsicherheit hinzu kommt die Entwertung der eigentlich anspruchsvollen Tätigkeit. Auch deshalb stellt eines der Schilder auf der Kundgebung klar: „Ein Lehrauftrag ist kein Hobby.“ Damit sich diese Botschaft herumspricht, ruft Kreidefresser dazu auf, Solidarität zu zeigen und sich an der E-Mail-Aktion der BKLM zu beteiligen.

Berichte und Stellungnahmen bei

Neue Musikzeitung  – Der Staat als zynischer Arbeitgeber
AK Wissenschaft und Kunst der CDU (15.11.17)
Neue Musikzeitung (14.11.17)
Süddeutsche Zeitung („Der Kulturstaat muss handeln“ – 13.11.17)
Neue Musikzeitung („Sie können auch in Moll“ – 13.11.17)
Bayerischer Rundfunk (13.11.17)
BackstagePro (15.11.17)
Hochschule für Musik und Theater
Mainpost (14.11.17)
Süddeutsche Zeitung (13.11.17)
BR Klassik (8.11.17)

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