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© Javier Luna / javierluna.de

UPDATE: Der Rat der Stadt Köln verabschiedet mit dem Ratsbeschluss vom 20.12.2016 die Anpassung der Honorare im DaF-Bereich und aller anderer arbeitnehmerähnlich Beschäftigten der VHS Köln auf 35,- ab 2017!

Keine Diskussion kommt ohne die Betonung der Bedeutsamkeit von Bildung und Integration aus. Als Fundament, auf dem alle Anstrengungen hierfür beruhen, wird stets herausgestellt, wie alles entscheidend das Erlernen der deutschen Sprache sei. Dennoch scheint den Entscheidungsträgern nicht bewusst zu sein, dass jene professionellen Wissensvermittler sich ihrem Auftraggeber nicht mehr zur Verfügung stellen werden (Artikel im KSTA), wenn der Nettoverdienst einer arbeitnehmerähnlich beschäftigten VHS-Honorarlehrkraft gerade einmal 1200,- im Monat beträgt.

35,- Honorar, die nun in den BAMF-finanzierten Integrationskursen gezahlt werden, entsprechen noch nicht einmal dem Mindestlohn in der Weiterbildung und sind immer noch ohne soziale Absicherung, ohne Fortzahlung bei Krankheit oder Ferien und ohne Beteiligung des Auftraggebers Stadt Köln an den Kosten für Renten-, Kranken- oder Arbeitslosenversicherung. Die Kurse für Deutsch als Fremdsprache werden momentan mit 23,- honoriert; die der Dozenten für alle anderen Sprachen im Übrigen momentan mit gerade einmal etwas mehr als 18,-.

Die DaF/DaZ-Lehrkräfte der VHS Köln fordern dazu auf (Artikel in K. Rundschau), ihre inakzeptable Honorarsituation nicht auf eine universell einsetzbare Frage nach verfügbaren Finanzressourcen zu verkürzen, sondern als Frage nach vorhandener Wertschätzung und Verantwortung ihrer Arbeit gegenüber zu verstehen: Wie kann es sein, dass ausgerechnet die Fachkräfte, die diese Aufgabe im Auftrag der Stadt übernehmen, zu prekären Bedingungen beschäftigt werden?

Was die Lehrkräfte davon halten:

„Ich habe zwei abgeschlossene Hochschulstudiengänge und arbeite seit fast 30 Jahren als freiberufliche Dozentin für DaF. Die Anerkennung meiner Arbeit erhalte ich allein durch das Feedback der Kursteilnehmer. Die angemessene finanzielle Anerkennung meiner Arbeit durch die Auftraggeber ist bis jetzt nicht erkennbar gewesen. Im Gegenteil: In den Augen vieler Politiker bin ich es offenbar nicht wert, auch nur annähernd angemessen honoriert zu werden. Das ist eine Sauerei.“ – Hei van der Berg

„Ich arbeite erst seit einigen Jahren als DaF-Dozentin – und leider scheint die VHS mir keine Zukunft bieten zu wollen. Die Herausforderung, Teilnehmende aus der ganzen Welt mit verschiedenen Sprach- und Bildungshintergründen zu unterrichten, macht mir Spaß. Unterricht vor- und nachzubereiten (auch wenn das nicht bezahlt wird), gehört dazu. Meine Tätigkeit beschränkt sich keineswegs auf die bloße Sprachvermittlung – Anforderungen wie soziale und berufliche Beratungen, Konfliktmanagement, Weiterbildungen u.v.m. gehören zum beruflichen Alltag. Als Honorarkraft habe ich bisher 21€ pro UE bekommen und erhalte seit kurzem 23€ – das ist lächerlich, wenn man bedenkt, dass ich davon meine Sozialversicherungen, Steuern usw. zahlen muss. Dass die Stadt Köln nun über ein Stundenhonorar von 26€/28€ entscheiden will (Beschlussvorlage), anstatt es endlich dem neuen BAMF-Honorar anzugleichen und auch 35€ zu zahlen, ist schlicht nicht nachvollziehbar. Warum soll plötzlich differenziert werden zwischen A1-B1-Niveau und B2-C2 – welche Klassenlogik kommt da zum Vorschein? Ist es weniger wert, die Grundlagen zum Erlernen einer neuen Sprache zu schaffen? Das Honorar muss sofort auf 35€ angeglichen werden, alles andere ist inakzeptabel!“ – Merle Bode

„Die Anhebung der Honorare für Lehrende in Integrationskursen ist mit dem längst fälligen Eingeständnis erfolgt, dass der Stundensatz die zu 100 Prozent zu tragende Sozialversicherung abdecken muss. Daher betrachte ich den vorgestellten Honorarsatz für DaF-Lehrkräfte als diskriminierend. Sind wir für die Kölner Ratsmehrheit Lehrende zweiter Klasse?“ – Klaus Mautsch

„Alle sind sich einig: „Deutschkompetenz ist die ‚Eintrittskarte‘ auf dem Weg in unsere Gesellschaft“ und damit unabdingbar für den Erhalt des sozialen Friedens. Das weiß auch der Rat der Stadt Köln und hält in seiner letzten Honorarregelung fest, dass die beiden Bereiche an der VHS Köln „Deutsch als Fremdsprache“ und „Deutsch als Zweitsprache“, die diese Sprachkompetenz vermitteln, ‚vergleichbare Tätigkeiten‘ sind, die den DozentInnen einen ‚vergleichbaren Arbeitsaufwand‘ abverlangen. Trotzdem zögert die Stadt, die Honorare des DaF-Bereiches an die Vergütung der vom BAMF finanzierten DaZ-Kurse anzugleichen. Im DaF-Bereich (für den die Stadt Köln aufkommen muss) sollen es je nach Kursniveau – statt der vom Bund gezahlten 35€ – nur 26€ oder 28€ sein. Diese Ungleichheit der Honorare ist meiner Meinung nach sachlich unangemessen, schafft Unfrieden zwischen den Kollegen und treibt die DozentInnen über kurz oder lang aus dem DaF-Bereich der VHS hin zu anderen Sprachschulen. Die Stadt trägt ihren Bildungs- und Integrationsauftrag auf dem Rücken ihrer Honorarkräfte aus. Die DozentInnen leisten Vollzeitarbeit zu einem Honorar, das nach allen selbst zu leistenden Sozialabgaben nichts für die Alterssicherung übrig lässt und im Krankheitsfall sogar ganz ausfällt. Wir VHS-DozentInnen sind in den vergangenen Monaten wiederholt auf die Straße gegangen, um uns Gehör für unser Anliegen zu verschaffen. Der Stadtrat reagiert nur verhalten: Er verweist in der Öffentlichkeit zwar gerne auf das exzellente Bildungsangebot der VHS-Köln und die Qualifikation der Lehrkräfte – die DozentInnen der VHS aber sollen trotz solcher Wertschätzung weiterhin den Karren der VHS zu inakzeptablen Bedingungen ziehen.“ – Sophie Schneider-Lohmar

„Ungleiche Honorarsätze verursachen schlechte Stimmung unter den DaF-Lehrkräften an der VHS-Köln. Kein Mensch versteht, warum Dozenten und Dozentinnen mit gleicher Kompetenz und vergleichbaren Arbeitsbedingungen total unterschiedlich bezahlt werden. Gibt es jetzt Lehrende erster und zweiter Klasse?“ – Helga Haug

„Andere Städte schaffen es, die Arbeit der DaF- und DaZ-Dozenten mit gleichem Geld zu honorieren. Warum wird in Köln ein Keil zwischen die beiden Gruppen getrieben, indem die Bezahlung um etwa ein Drittel differiert? Ich bin in beiden Arbeitsfeldern tätig und weiß, dass das Engagement und die Vor – und Nachbereitungen vergleichbar sind. Es gibt keinen Grund für eine Honorardiskrepanz!“ – Constanze Bast-Kessler

„Die Volkshochschule Köln arbeitet in ihrem Lehrbetrieb ausschließlich mit freiberuflichen Dozenten im gesamten Sprachbereich – ob Deutsch, Italienisch, Englisch, Französisch oder Spanisch – und immer sind dies Akademiker, das heißt hochqualifizierte Mitarbeiter mit einem oder mehreren Hochschulabschlüssen. Diese vergleichbar hohe Qualifizierung ist selbstredend nicht ganz zufällig ein Zugangskriterium, sind doch die Anforderungen an die Lehrkräfte entsprechend hoch. Dies bestreitet niemand.
Dennoch erhalten die Honorar-Lehrkräfte, also die Kräfte, mit denen die Volkshochschule zu 100% ihr Programm in der Lehre ausführt, lediglich einen Bruchteil jener Vergütung, den Lehrer in Berufsschulen oder festangestellte Mitarbeiter mit vergleichbaren Kompetenzen und Qualifikationen erhalten. Hauptberufliche Honorardozenten verdienen netto in etwa 1200 bis 1300€. Es ist also weder polemisch noch realitätsfremd zu sagen, dass die Honorare in keinster Weise die Qualifikationen und zu erbringenden Leistungen der Lehrkräfte widerspiegeln. Warum ist dies so? Der Stadt Köln seien die Hände gebunden, hören die Betroffenen seit Jahrzehnten, sie habe kein Geld. Doch die betroffenen Lehrkräfte können von den ihnen zugeteilten Honoraren nicht leben und schon gar nicht eine soziale Absicherung im Krankheitsfall und für ihr Alter erbringen. Sie haben kein Geld. Warum ist dies so? Sie arbeiten für die Stadt Köln und unterrichten in der VHS.
Dass ein Spanischlehrer an der VHS ein wenig über 18€ pro Stunde brutto erhält und ein Deutschdozent womöglich bald 26€, wohingegen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Untergrenze der Honorare auf 35€ festgesetzt hat, deutet auf einen erheblichen Klärungsbedarf bei den Entscheidungsträgern hin. Dabei scheint wenig zielführend, stets auf nicht vorhandene Finanzmittel zu verweisen. Denn dann überlegen die Betroffenen womöglich, genau so zu handeln, wie es ihrer Lebenssituation entspricht, und den zu 100% auf ihren Schultern ruhenden Lehrbetrieb damit zu konfrontieren, dass sie nicht nur ein kleines Rädchen im Getriebe sind. Die Stadt Köln ohne VHS, ist es das, was dem Rat der Stadt vorschwebt? VHS mit verarmtem, in existenziellen Nöten befindlichem Lehrkörper? Wir hoffen nicht …“ – Lioba Waleczek

„Eine Angleichung der Honorare für DaF-Dozenten auf 35,- € würde den Kölner Finanzhaushalt jährlich mit gut 400.000€ belasten. Zum Vergleich: Reinigung der Neuen Freitreppe jährlich 860.000€, Sanierung der Kölner Oper voraussichtlich 404 Millionen €, Kölner Karneval jährlich 1,7 Millionen €. Nur ein kleiner Auszug anfallender Kosten, die den städtischen Finanzhaushalt um ein Vielfaches mehr belasten als die halbwegs angemessene Bezahlung der DaF-Dozenten, die sowohl eine vergleichbare Qualifikation wie Lehrkräfte im Integrationsbereich vorweisen können, als auch einen vergleichbaren Arbeitsaufwand für ihre Unterrichtstätigkeit haben. Ebenso ermöglichen sie ihren Teilnehmern durch die Vermittlung der deutschen Sprache eine erfolgreiche Integration in die hiesige Gesellschaft. Auch hier gibt es also keine nennenswerten Unterschiede.“ – Claudia Doré

„Als Dozent für Deutsch als Fremdsprache an der VHS Köln finde ich es nicht hinnehmbar, dass, wie in der Beschlussvorlage für den Finanzausschuss vorgeschlagen, bei der Honorierung des Unterrichts zwischen Unterricht für Anfänger und Fortgeschrittene differenziert wird. Diese Bewertung unserer Tätigkeit gemahnt an gleichartige Unterscheidungen aus dem letzten Jahrtausend. Es ist vollkommen klar, dass alle Dozenten, unabhängig davon, auf welcher Stufe oder in welcher Art von Kurs sie unterrichten (Integrations- oder Selbstzahlerkurse), gleichermaßen und mit gleichem Aufwand einen wichtigen Beitrag zur sprachlichen und sozialen Integration von Zuwanderern leisten. Mit einer Sparpolitik wie der oben angeführten, beraubt sich die Stadt Köln der Möglichkeit, als eine zukunftsgewandte, integrationsfreundliche Stadt ihrer Verantwortung für das soziale und wirtschaftliche Fortkommen ihrer Neubürger nachzukommen. Es ist absehbar, dass – wie bereits geschehen – weitere Dozenten aufgrund der „Zwei-Klassen-Honorare“ in die höher entlohnten Kurse abwandern. Daher fordern wir eine Angleichung der Honorare auf 35 Euro, nicht zuletzt mit Hinweis auf die Beschlussvorlage vom 2.6.2016, in der explizit darauf verwiesen wurde, dass gleiche Arbeit und gleicher Aufwand auch gleich zu entlohnen sei. Auch die SPD-Fraktion hat in diesem Sinne einen Änderungsvorschlag vorgelegt, der eine Angleichung der Honorare auf 35 Euro vorsieht. Im Hinblick darauf, dass die Honorare der Deutschdozenten über weit mehr als zehn Jahre nur minimal gestiegen (also real gesunken) sind, halten die Dozenten eine derartige Angleichung für mehr als überfällig.“ – Jürgen Sproß

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