Warnstreik_WDR_220917Weil sich die Arbeitgeberseite in den Tarifverhandlungen nicht bewegte, traten JournalistInnen des Westdeutschen Rundfunks (WDR) wiederholt in den Warnstreik. Im letzten Warnstreik legten nach Angaben des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) über 400 MitarbeiterInnen die Arbeit nieder. Nachrichtensendungen entfielen oder mussten durch Notpersonal gestemmt werden, beim Sender 1Live-Info solidarisierten sich die JournalistInnen und spielten zeitweise nur Musik ohne Moderationsbeiträge. Am 25. September vermeldete der DJV: In der fünften Verhandlungsrunde kam es endlich zum Tarifabschluss. Demnach können sich WDR-JournalistInnen auf 2,0 bis 2,2 Prozent mehr Gehalt freuen – bzw. auf entsprechend höheres Honorar.

Denn die Warnstreiks und Tarifverhandlungen wurden von festen und freien MitarbeiterInnen gemeinsam durchgeführt und waren getragen von einer gemeinsamen Strategie. Zuvor hatte der Arbeitgeber ein Angebot gemacht, nachdem feste und freie MitarbeiterInnen unterschiedliche Erhöhungen erhalten hätten. Die Belegschaft lehnte dies rundherum ab: „Der Sender will (…) beide Gruppen gegeneinander ausspielen. DJV-NRW und ver.di sagen dazu: Nicht mit uns!“

Während in der Weiterbildung häufig davon gesprochen wird, dass Honorarkräfte in entsolidarisierenden Strukturen arbeiten, einen geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad aufweisen und sich aus Angst vor Repression meist nicht für ihre Interessen einsetzen würden, zeigen die Freien JournalistInnen: Selbstständige können auch anders. Nämlich geschlossen, Hand in Hand mit den Festangestellten und organisiert in einer Gewerkschaft, mit der sie bereits vor Jahrzehnten einen Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Freie durchgesetzt hatten. Dieses Beispiel sollte auch freie Lehrkräfte inspirieren und ermutigen. In einem kleineren, doch ebenfalls erfolgreichen Maßstab hatten die DozentInnen der VHS Frankfurt am Main im Sommer 2016 einen Boykott organisiert.

 

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