Isabel Meiser, ehemalige Leiterin der Musikschule St. Ingberg im Saarland, kritisierte am 23.08.2018 im Kulturausschuss der Stadt die Honorarverhältnisse an der Schule. Unter anderem fiel es Meiser schwer, für ein Honorar von 17,56 Euro pro Unterrichtsstunde Personal zu finden. Kein Wunder, denn von einem Selbstständigenhonorar müssen mindestens 50% abgezogen werden, zudem kommen Vor- und Nachbereitung zum reinen Unterricht hinzu. Meisers Bericht zeigt, dass sie diese Situation und die Auswirkungen auf das Personal klar erkannt hat.

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Petition_RH-MusikschuleAn der Rheinischen Musikschule Köln (RMS) ist eine selbstbewusste Initiative von freien Musiklehrkräften entstanden. Im Interview Fortissimo: Schluss mit leisen Tönen! (DGB Köln-Bonn, 31.07.2018) schildern sie die Problematik an der Musikschule Köln und geben damit einen lebendigen Eindruck von den Problemen, mit denen viele freie Lehrkräfte konfrontiert sind:

Obwohl wir unsere Arbeit als Berufung leben und wir unseren Job lieben, muss man deutlich sagen, dass die Arbeit als Honorarkraft höchst unattraktiv ist. Dass wir überhaupt dabei bleiben, liegt wohl nur an der Liebe zu dieser Arbeit.“

„Wir empfanden uns als Dozent*innen zweiter Klasse, die keine Chance auf eine Festanstellung und ein gesichertes Einkommen haben.

„Die Stadt Köln muss endlich ihre finanzielle Verantwortung gegenüber der Rheinischen Musikschule wahrnehmen! Es kann nicht sein, dass seit 1994 der Etat nicht erhöht wurde, während sich die Schülerzahlen von 4.500 auf 9.000 verdoppelt haben!“

Bildung über prekäre Arbeitsverhältnisse der Dozent*innen zu finanzieren, ist moralisch wie bildungspolitisch ein Ding der Unmöglichkeit!“

Die Initiative fordert eine Begrenzung des Einsatzes von Honorarkräften auf 25% des Unterrichts, die Schaffung von mehr Festanstellungen und ein höheres Honorar. Dass dies möglich ist, zeigt die Musikschule in Bonn: Dort sind genau diese Forderungen bereits Realität. Auch die Stadt Münster beschloss jüngst, die Arbeitsbedingungen in der Musikschule zu verbessern. Wann folgt Köln den Beispielen?

Wer die Initiative unterstützen möchte, kann ihre Petition unterzeichnen.

pixabay.com

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Die Westfälischen Nachrichten sprechen von einer „deutlichen Kurskorrektur“ bei der Musikschule in Münster: Das Unterrichtsangebot der Westfälischen Schule für Musik soll in Zukunft zu 80% von Festangestellten und nur noch zu 20% von freien Lehrkräften geleistet werden. Zudem soll das Honorar für freie Lehrkräfte von 25 auf 30 Euro erhöht werden.

Zu Recht trägt der einstimmig angenommene Antrag der SPD den Titel „Abbau prekärer Beschäftigung bei der Stadt Münster“. Ein Projekt, das sich bundesweit noch viele weitere Länder und Kommunen auf die Fahne schreiben müssten: Nach der Studie „Das Personal in der Weiterbildung“ häufen sich prekäre Einkommensverhältnisse unter Weiterbildner*innen ausgerechnet im öffentlich geförderten Segment (vgl. Zusammenfassung auf wb-web.de). Das Beispiel Münster zeigt, dass es auch anders geht – wenn der politische Wille vorhanden ist.

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© Morssal Aber

Aktualisiert:

Was bisher geschah:

Die Lehrbeauftragten der Universität Göttingen haben mit ihrer beeindruckenden Protest- und Unterschriftenaktion vor der Uni-Verwaltung im Mai 2017 für Aufsehen gesorgt.
Berichte: Göttinger Tageblatt, die Hessische Niedersächsische Allgemeine und das Stadtradio Göttingen.
Die Petition: „Verbesserung des Status der Lehrbeauftragten der Universität Göttingen jetzt sofort!“

Der aktuelle Stand der Dinge:

1. Kampf für angemessene Arbeitsbedingungen für Lehrbeauftragte:
2017 fanden drei Treffen mit der Uni-Präsidentin und ihrem Team statt. Beim letzten Treffen eröffnete uns die Präsidentin, dass unser Honorar pro geleistete Unterrichtsstunde von 27 auf 32 Euro erhöht wird, wobei weiterhin Klausurkorrekturen sowie Vor- und Nacharbeiten NICHT honoriert würden.

Das Präsidium etablierte dann eine „Richtlinien-AG“, in der die Arbeitsbedingungen der Lehrbeauftragten an der Uni Göttingen festgeschrieben werden sollten. Dazu wurde die Initiative eingeladen, mit einer Person an der AG teilzunehmen. Auch ein Vertreter des AStA wurde eingeladen. Nach einmaliger Teilnahme reagierte die Lehrauftragten-Initiative mit diesem Schreiben an das Präsidium: Read More →

 Frauen – Frauenberufe – Deutsch als Fremdsprache

Francis Oghuma_Pichamann (268)„Fühlst du dich als Frau denn von denen respektiert?“, wurde ich als Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache bisweilen gefragt.
Anlässlich des Weltfrauenkampftags 2018 möchte ich auf eine andere Frage des Respekts eingehen, eine Frage mit größerer Tragweite, die mir aber eher selten gestellt wird: „Fühlst du dich als Frau denn von deinem Arbeitgeber respektiert?“

vhs-protest-0018

Die Antwort lautet „Nein“. Ich fühle mich als Frau nicht vom BAMF respektiert, nicht von all den anderen zig Fördertöpfen und Geldgebern in der Weiterbildung, welche die Volkshochschulen und Integrationskurse mehr schlecht als recht mitschleifen. Zur Schizophrenie der Weiterbildung gehört, dass diese Geldgeber eigentlich nicht meine Arbeitgeber sind, die ich als Selbstständige offiziell gar nicht besitze. Dennoch sind es diese Geldgeber, die die Grenzen meines Einkommens, meiner Arbeitsqualität, meiner beruflichen Perspektiven und meiner beruflichen Sicherheit abstecken. Für diese Geldgeber habe ich heute schlechte Nachrichten: Frauen beherrschen durchaus genug Mathematik, um auszurechnen, was am Monatsende übrig bleibt. Es ist höchste Zeit, Frauen und Frauenberufe für voll zu nehmen – auch an den Volkshochschulen.

Die Arbeitsbedingungen an Volkshochschulen sind respektlos Read More →